ZEN – HAIKU – HAIKU – ZEN

Ein paar Gedanken, Anmerkungen und Zitate zum Thema . . . . 
( Sämtliche Zitate stammen aus „ZEN und die Kultur Japans" von D.T.Suzuki )

„Zen ist die Schulung zur Erleuchtung. Erleuchtung bedeutet Befreiung. Wir reden heute so 
viel von allen möglichen Arten der Freiheit – politischer Freiheit, wirtschaftlicher Freiheit und 
so weiter -, aber das hat wenig mit echter Freiheit zu tun. So gewandt wir uns auch über 
„Freiheit" oder gar „Freiheiten"  äußern mögen, solange das auf der relativen Ebene bleibt, ist 
nicht von wahrer Freiheit die Rede . Die wahre Freiheit ist eine Frucht der Erleuchtung. Wenn 
ein Mensch das erkennt, ist er in jeder Lage frei in seinem innerem Leben, das seinen ganz 
eigenen Gang geht. Zen ist die Religion von jiyu (tzu-yu), „sich auf sich selbst verlassen" und 
jizay (tzu-tsai) „ aus sich selbst heraus sein"."

So gesehen, ist Zen etwas, was in wohl jeder Kultur unserer Erde stattfindet, ich finde, man 
sollte sich nicht vom Wort „ZEN" täuschen lassen – es ist natürlich aus der 
japanischen/buddhistischen Kultur  als Begriff entnommen, aber ich denke, die Bedürfnisse 
der Menschen sind überall gleich. 

Lange bevor ich anfing, HAIKU zu schreiben, bin ich, wenn es mir schlecht ging, wenn ich 
„Stress" hatte, mit dem Fahrrad in die Natur gefahren. Ich habe meine Lieblingsplätze 
aufgesucht, überall dort, wo der Himmel weit war. Dort konnte sich mein Bewußtsein, konnte 
sich meine „Seele" weiten, konnte ich Licht, Luft, Wind und Sonne atmen und in den meisten 
Fällen ging es mir anschließend besser, einfach so. Ohne daß ich von „ZEN" wußte, oder 
irgend welche Regeln auswendig lernen mußte. Ich denke wirklich, daß das gemeint ist, jeder 
kann nur seinen eigenen Weg zum Glück ???  zur Erleuchtung ???  zur Freiheit ??? auf seine 
eigene Weise finden. Möglicherweise sind diese Wege -  näher betrachtet  - nicht so weit 
voneinander entfernt, trotzdem ist es nicht – denke ich – wie eine Gebrauchsanweisung 
anzusehen. 

Und doch: wenn wir von ZEN sprechen, meinen wir den japanischen Weg, die japanische 
Kultur, die sich in der ganz speziellen japanischen Umwelt entwickelt hat. 

„Die Philosophie des Zen , kein Zweifel, ist die des Mahayana-Buddhismus überhaupt – es 
hat nur seine ganz eigene Art, diese Philosophie umzusetzen. Die Methode besteht darin, 
unmittelbar Einblick zu gewinnen in das Geheimnis unseres Seins, das – nach Auffassung des 
Zen – nicht anderes ist als die Höchste Wirklichkeit selbst. Das Zen fordert uns nicht auf, den 
gesprochenen oder niedergeschriebenen Lehren des Buddha zu folgen, an ein höheres Wesen 
zu glauben oder uns entsprechend irgendwelchen Vorschriften einer asketischen Praxis zu 
unterziehen; es ruft uns vielmehr auf  zu einer inneren Erfahrung , die wir ganz am Grund 
unseres Seins machen müssen. .....  Es liegt etwas Wahres in der Auffassung, daß der östliche 
Geist eher intuitiv und der westliche eher logisch und diskursiv ist. Auch der intuitive Geist 
hat seine Schwächen, keine Frage, doch seine wahre Stärke zeigt er da, wo es um die ganz 
grundlegenden Dinge des Lebens geht, also um das, was mit Religion, Kunst und Metaphysik 
zusammenhängt. Dies ist durch kaum eine andere Schule so deutlich geworden wie durch das 
Zen.......Den Beitrag, den das Zen zur Entwicklung des künstlerischen Empfindens in Japan 
geleistet hat, besteht kurz gesagt, in diesem Wissen, daß die eigentliche Wahrheit des Lebens 
und der Dinge nur intuitiv und nicht begrifflich zu erfassen ist und dieses intuitive Erfassen 
die Basis nicht nur der Philosophie, sondern jeder Art von kultureller Aktivität darstellt."

In seinem Buch zitiert er an einer Stelle einen Dr. R.H.Blyth, der ein viebändiges (!) Werk 
zum Thema HAIKU geschrieben hat:
„Ein Haiku ist Ausdruck einer zeitweiligen Erleuchtung, in der wir Einblick in das Leben der 
Dinge gewinnen."

Ich vermute mal, daß ein jede/r von uns, der oder die jemals ein HAIKU entworfen hat, 
geschrieben hat, sehr glücklich wäre, wenn man diese Aussage voll und ganz auf sich 
beziehen könnte, wenn man überhaupt diesen Anspruch an sich selber hat. Paradox daran ist – 
wie immer, wenn man sich heftig bemüht oder etaws ganz unbedingt erlangen möchte, es sich 
auf seltsame Art und Weise entzieht. Wie wenn man sich an einen vagen Traum erinnern 
möchte, und je intensiver die Gedanken auf das fast Vergessene richtet, desto stärker zieht 
sich die Erinnerung zurück.....unerreichbar. Um dann wieder ganz plötzlich hervorzutreten in 
einem unbedachten Moment –

Eine solche Situation beschreibt Suzuki – er erzählt von einer gewissen Chiyo (1703 – 1775), 
Haiku-Dichterin von Kaga .....

„...Chiyo .....wollte sich in ihrer Kunst noch verbessern und sprach bei einem bekannten 
Haiku-Meister vor, der sich gerade in ihrem Wohnort aufhielt. In ihrem Freundeskreis war sie 
schon als sehr begabte Haiku-Dichterin bekannt, doch ein bloß lokaler Ruhm genügte ihr 
nicht . Aber nicht das allein ließ sie den wandernden Dichter aufsuchen, sie war sich nicht im 
klaren über ihr schöpferisches Tun, sie wollte wissen, was eigentlich ein echtes Haiku 
ausmacht, ein Haiku, das den Namen wirklich verdient, ein Haiku von wahrhaft poetischer 
Inspiration.
Der Meister gab ihr ein Thema, ein recht konventionelles: „Der Kuckuck". Diesen Vogel 
lieben die Japanischen Haiku- und Waka-Dichter ganz besonders. Charakteristisch für diesen 
Vogel ist, daß er des Nachts im Fluge ruft, so daß seine Position sehr schlecht auszumachen 
ist und man nie so genau weiß, wo er sich gerade befindet......
Chiyo versuchte es mit immer wieder neuen Haikus zu diesem Thema, doch der Meister 
lehnte sie alle als ausgedacht und nicht dem Fühlen entsprechend ab. Sie wußte nichts mehr 
zu sagen, sie wußte nicht, wie sie sich auf ganz echte und ursprüngliche Weise äußern sollte.
Eines Nachts war sie so sehr in diesen Gegenstand vertieft, daß sie nicht merkte, wie es zu 
dämmern begann; als ein erstes fahles Licht durch die shoji (papierbespannte Schiebetüren) 
fiel, formten sich die Worte in ihr wie von selbst zu diesem Haiku:

Kuckucksrufe
die ganze Nacht
nun die Dämmerung

Als sie es dem Meister vorlegte, akzeptierte er es sofort und nannte es eines der besten 
Haikus, die je über den Kuckuck gedichtet worden seien....."
Weiter heißt es dann immer noch in Beziehung zum Haiku der Chiyo:
„Wie dem Zen ist auch dem Haiku jede Egozentrik wesensfremd. Ein Kunstwerk muß völlig 
frei von Künstlichkeit, völlig ohne Hintergedanken sein. Zwischen der künstlerischen 
Inspiration und dem Geist, dem sie zuteil wird, darf nichts Vermittelndes sein. Der Autor muß 
passives Ausdrucksinstrument dieser Inspiration bleiben. Die Inspiration ist wie Chuang-tzus
„Himmelsmusik" (t`ien-lai). Der Künstler muß dieser Himmelsmusik lauschen, nicht der 
menschlichen...."

Ein Haiku besteht, und damit sage ich sicherlich dem Leser nichts Neues,  aus 17 Silben in 
drei Zeilen – die erste Zeile hat 5 Silben – die zweite besteht aus 7 Silben und die dritte Zeile 
sollte wieder aus 5 Silben gebildet sein. So jedenfalls sagt es die traditionelle Form, die ich 
selber auch einhalte und mag.

In Bezug auf Haikus hat der Autor des Buches  einen – meiner Meinung nach – 
bemerkenswerten Satz formuliert, den ich auch gleichzeitig  (fast) als Abschlußsatz stehen 
lassen möchte:

„...Haiku-Kurzgedichte, die in 17 Silben ein ganzes Universum enthalten..."

Ein Zitat möchte ich meinen Lesern ebenfalls nicht vorenthalten, es geht hier um eine gewisse 
Kritik, genauer gesagt, um die Frage, wie man in drei Zeilen anderen Menschen etwas 
vermitteln kann:
„....Manch einer wird sich, verständlicherweise, fragen, wie eine derart kurze Wortfolge 
tiefste Regungen des Geistes wiedergeben soll. ....Doch erinnern wir uns: Gott sagt einfach:
ES WERDE LICHT, und als das geschehen war, befand er kurz und bündig, daß es „gut" sei. 
Damit, so hören wir, begann die Welt, diese Welt, in der soviel Hochdramatisches  geschehen 
ist seit ihrem schlichten Debut. „Gott" sprach nicht einmal  zehn Silben, und welch gewaltige 
Schöpfung ging daraus hervor! Als Moses Gott fragte, unter welchem Namen er seine 
Botschaft dem Volk überbringen solle. da nannte Gott ihm seinen Namen ICH BIN,  DER 
ICH BIN. Ist das nicht das Äußerste dessen, was sich überhaupt sagen läßt in dieser 
Welt?.....Kurzum, von der Zahl der Silben kann man nicht auf das Gewicht des Inhaltes 
schließen, und das ist auch beim Haiku so. An jenem äußersten Punkt, in dem Leben und Tod 
sich berühren, stoßen wir einfach einen Schrei aus oder handeln, aber wir fangen nicht an, zu 
argumentieren und halten keine Ansprachen. Gefühle lassen sich nicht begrifflich behandeln, 
und ein Haiku ist nicht das Produkt intellektueller Analyse."

Ich hoffe, meine Haikus gefallen meinen Lesern und ich wünsche denjenigen, die selber gerne 
Haikus schreiben, viel Inspiration !

 

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